Neugestaltung Bahnhofstrasse und Theaterplatz, Luzern

Ort: Luzern I Planung und Realisierung: 2018- 2027 I Bauherrschaft: Stadt Luzern I Offener Projektwettbewerb 2016 1. Preis
"Take a walk on the bright side"

Die Bahnhofstrasse entstand im Zuge der Stadterweiterung nach dem Stadtbrand von 1833. Mit ihrer Verlängerung bis zur heutigen Seebrücke und der Pflanzung einer Kastanienallee entwickelte sie sich zu einem repräsentativen Quai und zum städtebaulichen Gegenüber der Luzerner Altstadt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde dieser zentrale Stadtraum jedoch zunehmend vom motorisierten Verkehr überlagert und verlor seine ursprüngliche Funktion als öffentlicher Aufenthalts- und Begegnungsraum.
Der Entwurf versteht die Bahnhofstrasse als zusammenhängenden Quai und interpretiert den historischen Stadtraum neu. Ausgangspunkt ist die besondere Lage am Wasser sowie die, entgegen der weitverbreiteten Wahrnehmung, hohe Besonnung des Ortes vom Frühjahr bis in den Herbst. Anstatt den Strassenraum primär als Verkehrsfläche zu organisieren, wird er als öffentlicher Freiraum gedacht – als Promenade, Stadtplatz und Aufenthaltsort zugleich.
Das Projekt arbeitet mit wenigen, präzisen Eingriffen. Die bestehende Kastanienallee wird durch eine zweite Baumreihe ergänzt und zu einem räumlich wirksamen Gerüst verdichtet. Zwischen den Bäumen entsteht ein durchgehender Mergelbelag, der den Quai als zusammenhängenden Freiraum lesbar macht und vielfältige Aneignungen ermöglicht. Die neue Allee knüpft an den Charakter des gegenüberliegenden Nationalquais an und stärkt die räumliche Fassung des Reussufers. Zwei Unterbrechungen der Baumreihen markieren die historischen Brückenachsen und gliedern die Abfolge der Räume.
Der Strassenquerschnitt folgt einer klaren Hierarchie. Entlang des Wassers entsteht ein asphaltierter Promenadenstreifen für Fussgängerinnen und Fussgänger. Die Mergelfläche unter den Bäumen bildet den eigentlichen Aufenthaltsraum – robust, offen und flexibel nutzbar. Veloverkehr und Erschliessung werden selbstverständlich integriert, ohne die räumliche Kontinuität des Quais zu beeinträchtigen.
Ein Infrastrukturband aus Granitplatten entlang der Gebäudekante nimmt funktionale Elemente wie Veloabstellplätze oder Aussengastronomie auf und hält den Freiraum von Einbauten frei. Mobile Pflanzgefässe mit Zierkirschen ergänzen die bestehende Baumstruktur.
Der Theaterplatz wird als offener Stadtraum interpretiert. Eine helle Asphaltfläche zeichnet innerhalb des Platzes einen Bereich aus, der vielfältige Nutzungen und Aneignungen ermöglicht. Flexibel angeordnete Pflanzgefässe mit mediterranen Gehölzen bespielen den Raum, ohne seine Offenheit einzuschränken. Es entsteht eine urbane Bühne für das öffentliche Leben – ein vielseitig nutzbarer Freiraum für Alltag, Kultur und Veranstaltungen.
Das Projekt verzichtet bewusst auf eine Überformung der Oertlichkeit. Materialität, Vegetation und Topografie bilden die primären Entwurfsmittel. Unterschiedliche Beläge definieren die Nutzungsbereiche, während die niveaugleiche Ausführung einen hindernisfreien und grosszügigen öffentlichen Stadtraum entstehen lässt.












